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Raumgestaltung als pädagogische Aufgabe
Räume in Krippen und Kitas bilden den Rahmen für kindliches Aufwachsen. Sie geben vor, was Kinder erleben, erfahren und lernen können. Der Raumberater Klaus Nagel erinnert sich im Gespräch mit unserer Redakteurin Jutta Gruber zurück, wie er selbst als Krippenleiter seiner Pädagogik räumliche Gestalt verlieh und erlebte, dass Veränderung im Denken eine Veränderung im Raum nach sich zieht – und umgekehrt.
Vom Krippenleiter im fränkischen Fürth zum Raumberater über die Grenzen Deutschlands hinaus klingt nach einem langen Weg. Wie kam es dazu?
Zunächst ging es mir wie wahrscheinlich allen. Von der Bedeutung der Raumgestaltung hörte ich nicht schon während, sondern erst nach meiner Ausbildung. Bei mir war das in der stationären Jugendhilfe mit Kleinkindern und Jugendlichen, dann in einer großen Kita und zuletzt in einer Krippe, die ich leiten und dafür neu aufbauen durfte. Damals verstand ich, dass weniger mehr ist – Einrichtungsgegenstände aber auch Materialien –, und erkannte, dass sich Raumgestaltung sogar in den eigens für Kinder vorgesehenen Räumen häufig nicht an deren Entwicklungsbedürfnissen orientiert.
Welche Einsicht hast du aus deiner pädagogischen Praxis in deine Beratungstätigkeit mitgenommen?
Je mehr ich mich mit dem Zusammenhang zwischen pädagogischer Intention und Raumgestaltung auseinandersetzte, umso bewusster wurde ich mir über die Komplexität des Themas und meinen Wunsch, darüber aufzuklären, dass und wie Kita-Räume an die Bedürfnisse der Kinder angepasst sein sollten. In der von mir geleiteten Krippe z.B. hingen die Rahmen mit den Fotos der Kinder und ihrer Familien genau deshalb nicht so hoch an den Wänden, dass auch die Jüngsten sie betrachten konnten, ohne dafür hochgehoben zu werden. Aus meiner Praxis nahm ich auch mit, dass eine kindorientierte Umgestaltung von Räumen ein Prozess ist, welcher häufig mit der Beobachtung beginnt, dass der Rahmen, den man einst gesetzt hat, nicht mehr passt. Bei mir in der Krippe beobachtete ich z.B. wiederholt, dass Kinder quengelig wurden. Sie zeigten sich überreizt und schienen eine Pause zu benötigen. Dafür gab es in den meisten Räumen jedoch keine entsprechend geschützten Orte. Die Schlafkörbe, die wir, ausgestattet mit Decken, Kissen und Büchern, daraufhin als Ruheinseln im ganzen Haus verteilten – einer stand irgendwann sogar unter meinem Schreibtisch – nahmen die Kinder als Rückzugsmöglichkeit an.
Du sagst, dass eine Veränderung im Raum eine Veränderung im Denken nach sich ziehen kann und umgekehrt. Beobachtest du das häufig und fällt dir ein Beispiel dazu ein?
Wenn ich in Kitas komme, die sich mit Raumfragen an uns wenden, stelle ich häufig fest, dass Raumgestaltung, Materialangebot und pädagogische Haltung nicht zusammenpassen. In den meisten Fälle scheint mir eine kindorientierte Raumgestaltung an Regeln und Abläufen zu scheitern, welche die Erwachsenen im Kopf haben und die sie, nach sinnvollen Begründungen gefragt, mit kaum mehr als mit Rechtfertigungen wie »so entspricht das unserer Konzeption«, »das haben wir schon immer so gemacht« oder »das wollen die Kinder so« argumentieren können.
Klaus Nagel hat sich bei seinen Stationen als Erzieher in der Jugendhilfe und in Kindertagesstätten immer wieder mit den Themen Raum und Material beschäftigt. Seine Erfahrungen aus dem pädagogischen Alltag hat er in seine Tätigkeit als Raumberater bei Kameleon Raumkonzepte mitgenommen.
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