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Sicherheit und Orientierung
Die Beziehung zur Fachkraft und die Qualität der Raumgestaltung entscheiden darüber, ob ein Kind sich wohlfühlt. Die Diplom-Pädagogin Susanne Mattern weiß, dass es im Grunde nicht viel braucht, um alle Sinne des Kindes anzusprechen und seine Neugier herauszufordern. Ein Beitrag mit Impulsen aus der Praxis, die inspirieren.
Anfang der 2000er-Jahre rückte die Bedeutung des Raumes für die Entwicklung von Kindern in den Fokus. Anlass war der bevorstehende Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz für Kinder ab zwei Jahre. Die Jüngsten sollten sich wohlfühlen! Das 2007 erschienene Buch »Bildungsräume für Kinder von Null bis Drei« von Angelika van der Beek beeinflusste meine Tätigkeit als Referentin in Kitas nachhaltig. Wahrzunehmen, wie stiefmütterlich die seinerzeit üblichen Räume für die Jüngsten im Vergleich wirkten, schockierte geradezu. Inspiriert von diesen innovativen Ansätzen, entwickelten sich auch die Räume für ältere Kinder weiter.
Räume kommunizieren
Auch knapp zehn Jahre später beeindruckte der von Christel van Dieken gemeinsam mit ihrem Sohn über die Waterkant Akademie produzierte Film »Unter 3 – mit dabei« noch viele Fachkräfte. Die Kernaussage des Films lautet, dass jeder Raum Botschaften vermittelt, die das Wohlbefinden der Menschen, die sich darin aufhalten, stark beeinflussen. Damals wurde mir klar, dass auch Räume »kommunizieren« und sozusagen als weitere pädagogische Instanz das Wohlbefinden nicht nur von Kindern, sondern auch von pädagogischen Fachkräften und Eltern, die sich in der Kita aufhalten, maßgeblich beeinflussen. Die Erkenntnis, dass nachhaltige Bildung nur dort stattfindet, wo sich Kinder – und Erwachsene – wohlfühlen, war ausschlaggebend dafür, die Raumgestaltung als Grundlage für gelingende Lern- und Bildungsprozesse in meinen Fortbildungen in den Fokus zu stellen. Schließlich tragen die Leitung und das Team die Verantwortung für die Raumgestaltung.
Bei uns selbst beginnen
Eine wichtige Voraussetzung dafür, dass pädagogische Fachkräfte die Kita zu einer Wohlfühloase für Kinder gestalten können, ist, dass auch ihnen zumindest ein Pausenraum zur Verfügung steht. Dieser sollte eine Atmosphäre des Wohlgefühls vermitteln und sie dabei unterstützen, ihr Nervensystem zu regulieren und zur Ruhe zu kommen. Ein Pausenraum sollte folgende Bedürfnisse erfüllen:
- Erholung und Entspannung
- ungestörte Gespräche
- Powernaps
- in Ruhe essen, lesen oder schreiben können
Raumteiler könnten Rückzugsbereiche schaffen, (Auszieh-) Sofas oder (Massage-)Sessel die körperliche Entspannung fördern. Der Kreativität in Bezug auf Gemütlichkeit, etwa durch Wandfarben, Licht und Accessoires, sind keine Grenzen gesetzt. Teambesprechungen könnten im Bewegungsraum oder in einem anderen Raum der Kinder stattfinden. Immer wieder erlebe ich jedoch vor Ort, dass Teamräume mit Tischen und Stühlen vollgestellt sind, damit die wöchentlichen Sitzungen dort stattfinden können. Pädagogische Fachkräfte haben dann außer ihrem Auto keinen Ort, an dem sie sich ausruhen und entspannen können.
Susanne Mattern ist Dipl.-Pädagogin und Mitgründerin des Netzwerks Starke Kinder e.V. für Fort- und Weiterbildung. Bis 2002 war sie hauptamtliche Mitarbeiterin beim Deutschen Kinderschutzbund e.V. und ist seitdem als freiberufliche Fortbildnerin und Konzeptberaterin für Kita-Teams tätig. Sie ist Mitglied des Netzwerks Offene Arbeit Deutschland (NOA/www.noa-deutschland.de), fachliche Beraterin des AV1-Films Offene Arbeit in der Kita sowie Co-Autorin des 2024 von NOA im verlag das netz veröffentlichten Buches Was Kinder schützt und stärkt. Qualität der Offenen Arbeit als gelebtes Kinderschutzkonzept und Autorin von Hier bin ich Kind in Betrifft KINDER 01-02/2025.
Kontakt
www.NetzwerkStarkeKinder.de



